3. Okt 2008
Mit dem Börsenkrash kommt die Angst
Beitrag von Reimond in Demokratie, Gerechtigkeit, Globalisierung, ZukünfteBei den Dimensionen der derzeitigen Bankenkrise weltweit, ausgehend von der Immobilienkrise in den USA, werden dort zur Rettung des angeschlagenen Finanzsektors astronomische 700 Milliarden US$ in Spiel gebracht.
Das ist geschrieben 700 000 000 000 US$.
Das sind Bereiche, beim Privatmann geht es in der Regel um Tausender, die nicht in unserer Vorstellungswelt liegen. Also kommt die Dramatik dieser Krise beim Normalbürger auch nicht an.
Das fatale ist die Krise bleibt auch nicht auf der anderen Seite des Atlantiks. Inzwischen ist die Weltwirtschaft so miteinander verwoben, dass wir die Auswirkungen genau so zu spüren bekommen, wie der amerikanische Steuerzahler. Da werden von europäischen Banken “faule” Papiere des US-Banken-Marktes gekauft, weil sie eine hohe Rendite versprechen.
Inzwischen haben auch die europäischen Banken mitbekommen, dass diese Papiere sehr riskant waren. Das Risiko des Totalverlustes wird in der Regel dem Kleinanleger zugeschoben. Eine Bank in Haftung für eine schlechte und nicht umfassende Aufklärung/Beratung zu bekommen ist fast unmöglich. Bei einem Bankgeschäft galt bisher für das Bankhaus sowie den Kunden stets das Vertrauensverhältnis untereinander. Hört man die Experten zum Bankgeschäft der Zukunft gilt dieses Vertrauensverhältnis nicht mehr. Man soll sich stattdessen alles schwarz auf weiß geben, nicht sofort unterschreiben, am besten Geschäfte immer zu zweit abschließen und von Dingen, die man nicht versteht die Finger lassen.
Würde das zukünftig alles so befolgt werden, wird sie das Bankengeschäft radikal ändern. Aber es wird immer so sein, dass menschliche Überzeugungskraft des Beraters über das Sicherheitsdenken des Kunden siegen wird. Allein schon deshalb, welcher Kunde möchte sich darstellen, dass er nach erneuter Erklärung des Sachverhaltes zum Bankengeschäft dieses immer noch nicht verstanden hat?
Und bei der schwierigen Materie der Transaktionen zum Anlegegeschäft ist das einem Laien nur schwer oder gar nicht verständlich zu machen.
Zurück zu den Auswirkungen der derzeitigen Bankenkrise in den USA und Europa. Wenn in Deutschland der Bund mal locker 26 Milliarden Euro zur Rettung der angeschlagenen Bank Hypo Real Estate auf den Tisch legt, wird kein Bürger gefragt.
Tut man nichts zu deren Rettung, wird befürchtet dass dadurch große Unruhen auf dem Finanzsektor entstehen, mit nicht kontrollierbaren Folgen für die Bankenwelt und die Wirtschaft. Wir Bürger werden zu untätigen Statisten degradiert, die die Suppe auslöffeln dürfen, in die uns die Zocker der Bankenwelt, wie der Börse gebracht haben. Geht ein Privatmann in ein Casino und verwettet dort Haus und Hof ist es sein privates Pech und Risiko, nicht so in der Bankenwelt, wo die Risiken „sozialisiert“ werden. Die gleiche Bande fordert aber von der Politik die Abschaffung aller sie hemmenden Regelungen (Stichwort Deregulierung). Unter dem Aspekt der jetzigen Bankenkrise macht dieses Verhalten sogar einen Sinn. Denn wer lässt sich schon in die Karten schauen, wenn dabei gezinkte und falsche Karten sind!
Die Auswirkung der Krise ist wahrscheinlich ein Schrumpfen der Konjunktur mit dem Abbau von Arbeitsplätzen, dann sind die Neoliberalen wieder obenauf und profitieren sogar von der Krise. Eine andere Folge wird eine deutliche Zunahme des Ölpreises sein, der ja zum einen Ursache des steigenden Verbrauches und deren Knappheit des Rohstoffes ist, zum anderen aber hochspekulativ ist. Diese Auswirkungen beschleunigen nur die Abkehr von der jetzigen neoliberalen nicht nachhaltigen Wirtschaft hin zu einer breiten Bevölkerungsschichten berücksichtigenden nachhaltigen Wirtschaft. Da hat die Krise wieder was gutes, je eher das geschieht umso besser.
Eine Antwort zum Thema “Mit dem Börsenkrash kommt die Angst”
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29 Oktober. 2008 um 17:23
Wir befinden uns mitten in der Bankenkrise. Damit ist in erster Linie das Nichtfunktionieren des weltweiten Geldkreislaufs gemeint. Wir haben aber auch eine Vertrauenskrise in das derzeitige Finanz- und Wirtschaftssystem! Oder wie ist es möglich, dass der Kurs der Volkswagenaktie auf max. 1005,01 € steigen konnte. Da wird von Porsche eine Nachricht gestreut, dass man den Anteil von VW in Form von Stammaktien auf 42,6 % erhöht habe und eine Option auf weitere 31,5 % der Aktien von Volkswagen zu einem festen Kurs habe. Das Ziel von Porsche sind 75 % des Gesamtpakets von Stammaktien von VW und damit die Durchsetzung eines Beherrschungsvertrages.
Die perverse Logik der Börse funktioniert so, dass mit der Ankündigung auf Schaffung dieses Beherrschungsvertrages von VW durch Porsche und damit verbunden eine Aushöhlung des VW-Gesetzes und dem Abbau von Arbeitnehmerinteressen und der voraussichtlichen Kündigung des Haustarifs der Aktienkurs des Unternehmens steigt. Diese jetzige Dimensionen konnte selbst die mächtige Familie Porsche nicht abschätzen. Die aber gehofft hatte, mit der Nachricht VW künftig zu beherrschen, den Kurs der VW-Aktie zum steigen zu bringen. Darauf zu spekulieren, dass Anteilseigner sich bei einem guten Kurs der Aktie, bei dem allgemeinen Katzengejammer der Börse, von ihren Papieren trennen würden, damit diese von Porsche aufgekauft werden könnten.
Der Arbeitnehmer wird nur noch zum Spielball von Finanzinteressen. Der neue Aufsichtrat wird bei der Beteiligung der Arbeitnehmervertreter zu gleichen Teilen von VW und Porsche besetzt, obwohl VW fast 30x mehr Mitarbeiter hat. Die VW-Arbeitnehmervertreter können sich schon mal auf den harten Kurs von Porsche gegenüber seinen Arbeitnehmervertretern einstellen. Zurück zur Finanzkrise: Es zählt nicht mehr das gute, einvernehmliche und demokratisch ausgehandelte Wirtschaften eines Unternehmens. Sobald die Börse ins Spiel kommt haben die Verantwortlichen nur noch Dollar und Euro-Zeichen in den Augen. Moral zählt dann nicht mehr. Die Manager eines aktiendotierten Unternehmens sind nur kurz in der Verantwortung der Wirtschaftspolitik. In dieser Zeit tun sie alles um ihr Scherflein ins Trockene zu bringen und handeln ansonsten nach dem Motto: “Nach mir die Sintflut”
Müssen wir diesem Treiben tatenlos zusehen?