Logbuch / Eintrag 2

Dieser Planet ist unsere lange Reise wirklich wert. Vor allem das Studium der dominanten Spezies, die sich selbst Mensch nennt, bereitet uns jeden Tag neue Überraschungen und ruft in uns Allen Verwirrung hervor, gefolgt von fast quälerischen Versuchen all dies zu verstehen. Der Professor meinte, wir sollten versuchen uns gedanklich zu nähern, in dem wir uns in unsere eigenen Vorfahren hinein versetzen. Nehmen wir nur die ungeheure Aggression dieser Menschen!

Wenn man sich Evolution anschaut, dann ist schnell klar, dass diese Arten hervorbringen muss, die auch überleben können. Sei es durch gute Anpassung, Mimikry, Organisation, Größe, Schnelligkeit oder - wie es besonders auf diesem Planeten zu sehen ist - durch Aggressivität. Die aggressivste Spezies gewinnt die Oberhand. Der Professor sagte noch dazu, dass es nicht nur die Aggression des Menschen sein kann, es wäre auch seine Fähigkeit zur Organisation und zum Lernen. Wahrscheinlich hat er recht. Aber die Aggressivität ist allgegenwärtig in dem Bildern, die wir hier jeden Tag von ihnen empfangen können. Kriege, Gewalt, Morde und selbst in ihrer Ertüchtigung frönen sie aggressiven und kämpferischen Spielen.

Auf der anderen Seite sehen wir Liebe, Zuneigung, Glaube, und anscheinend sehr wichtige Vorfahren dieser Menschen, die als heilig gelten und die das genaue Gegenteil von Aggressivität verbreitet haben. Wir haben überall die Zeichen von Religiosität gesehen, und alle Religionen predigen - und da sind wir uns nach dem Studium vieler ihrer Schriften einig geworden - das Gleiche: Liebe, Vergebung, Anstand, Moral, Gottvertrauen.

Der Professor meinte, die Menschen wären in ihrer Entwicklung an diesem heiklen Punkt an dem die evolutions-geschichtliche Aggressivität sich in ein ganzheitlicheres, sphärisches Selbstbewußtsein wandeln kann oder an dem das “Aus” beginnt und Platz für einen neuen Versuch der Evolution geschaffen wird. Vielleicht hat er recht. Vielleicht können wir helfen. Schließlich hatten auch wir mindestens einen Fehlschlag auf unserem Planeten gehabt.
Wir werden weiter beobachten.

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