Ich kann mich noch erinnern, als ob es gestern gewesen wäre: “Schreibe eine kurze Geschichte deiner Wahl.” So war die Aufgabenstellung, damals, in der sechsten Klasse, Deutsch. Und was habe ich darüber geschwitzt. Fast grenzenlose Freiheit kann bedrückend sein, und die Qual der Wahl wird schnell zur Wahl der Qual.
Ganz ähnlich geht es uns im täglichen Leben, in den vielen Entscheidungen, die wir - Freiheit sei Dank! - immer wieder fällen müssen. Vorbilder, idealisierte Spiegelbilder unserer Wünsche, können uns da weiter helfen. Doch wo sind die geeigneten Vorbilder?

Leitlinien und Gesetze grenzen zwar die persönliche Freiheit stark ein, aber durch ihre Abstraktheit, Starrheit und Rationalität taugen sie m.E. nur bedingt als Vorbilder. Vorbilder haben eindeutig auch emotionalen Charakter. Etwas an dem man sich notfalls festhalten kann.

David Beckham, Dirk Nowitzki und Co.? Diese Herren geben sicher für viele eine Leitschnur, ein erstrebenswertes Ziel, Ankerpunkte, um aus Elend und Mittelmässigkeit heraus zu kommen. Doch was sind sie? Steckt mehr hinter diesen Herren als viel Geld? Vielleicht Weisheit, Lebensklugheit, emotionaler Halt? Ich glaube dafür müssen wir weiter gehen und auch diese Herren verlassen.

Wie sieht es aus mit unserer herrschenden Elite? Mit Altkanzler Schröder, Kohl, mit Bush und Blair? Oder mit unserer Managerelite, Mehdorn, und andere? Als Symbole unserer Gemeinwesen würden diese Herren hervorragend als Vorbilder passen. Leider scheinen Ämter mit Macht sich nicht mit Vorbildscharaktereigenschaften, wie Integrität, zu vertragen. Schade. Hier wird viel verspielt.

Oder müssen wir zu den Klassikern aufschauen, also zu Mahatma Ghandi, Mutter Theresa, Nelson Mandela? Ja, das sind richtige Vorbilder! Diese Damen und Herren haben alles von Aufopferung bis hin zu Weisheit, Tatendrang und Beharrungsvermögen. Wahre Vorbilder. Ich fürchte jedoch für uns kleine, gemeine Sünder sind auch diese Vorbilder zu weit weg. Sie repräsentieren etwas ideales und kaum erreichbares.

Um unsere Vorbilder zu finden sollten wir den Blick nicht zu weit schweifen lassen. Schauen Sie doch mal Ihre Eltern an. Haben diese Sie mit viel Liebe und Zuneigung aufgezogen, zu einem Menschen heran reifen lassen? Ja? Haben sie Ihnen geholfen zu sich selbst, zu Ihren Stärken und Schwächen finden zu lassen; Ihnen die Begriffe “gut” und “böse” näher gebracht? Ihnen geholfen Entscheidungen treffen zu können?

Liebe Eltern. Ihr seid für Viele Vorbilder. Lebt dies für eine gute, lebenswerte Zukunft. Eine Zukunft, in der der Sturmbannführer oder Osama Bin Laden keine Vorbilder sind.