Mit der Werbekampagne soll der deutsche Michel motiviert werden, in Zeiten von Desillusionierung und globalisierten Wettbewerb zu den Errungenschaften und den Fähigkeiten unseres Landes zu stehen. In der Initiative machen so namhafte Leute wie Günter Jauch, Anne Will, Johannes B. Kerner, Marcel Reich Ranicki und viele andere mit. Wer Hintergründe sucht findet in Wikipedia einen sehr informativen Artikel. Jetzt stellt sich mir die Frage nach der Motivation der in der Öffentlichkeit stehenden. Sicherlich hat das ganze keinen nationalen Hintergrund. Der Spruch “Du bist Deutschland” wurde bereits 1935 bei den Nazis verwendet.
Was ich nicht verstehen kann, ist das die Initiatitoren der Werbekampagne sich nicht mit der berechtigten Kritik einen Slogan aus dem Nazijargon zu verwenden, auseinandersetzen. Sicherlich war es ein “handwerklicher” Fehler, nicht die Hintergründe des verwendeten Slogans zu kennen. Aber Menschen irren bekanntlich! Aber mir stellt sich immer noch die Frage nach dem Warum der Intitiative! Und da kann ich nur mutmaßen. Voraussichtlich aus einem dumpfen Gefühl der nationalen Stagnation heraus müssen die Menschen hierzulande motiviert werden mehr zu konsumieren und damit für ein höheres Wirtschaftswachstum zu sorgen. Dumm nur, dass sich das wollen nicht nur im Kopf abspielt. Wenn z.B. Beschäftigte im öffentlichen Dienst kein oder kaum Weihnachtsgeld erhalten, können sie nicht konsumieren.
Meiner Meinung nach müssen Regeln alten Denkens über Bord geworfen werden, weil sie in der heutigen der Zeit der unruhigen See nicht mehr taugen. Da werden mir Menschen aus allen politischen Lagern zustimmen! Es ist utopisch, von den Leistungsträgern der Gesellschaft große Opfer im Sinne einer nationalen Identität zu erwarten. Die “Heuschrecken” gehen dahin, wo sie das nächste Feld abfressen können. Die Politik muss die Regeln bestimmen, auch wenn diese unliebsam sind. Aber das ist von den meisten Politikern nicht zu erwarten. Diese denken häufig an ihre Pfründe und weniger daran, warum sie gewält wurden. Aber hier liegt der Fehler im System. Warum schafft man keine Haftung für politische Entscheidungen. Der Anreiz, in die Politik zu gehen, ist durch gute Einnahmen und eine solide Alterssicherunrg gegeben. Für diese Voraussetzungen muss der Wähler sorgen. Die Parteien in Berlin werden es nicht tun! Selbst bei politischen Erdbeben, z.B. dem Rücktritt von Franz Müntefering, folgt die blinde Schließung der Reihen und nicht eine “demokratische” Diskussion nach den besten Alternativen. Also ist nicht zu erwarten, dass es eine Parteiendiskussion dafür gibt, wie unser Land voran zu bringen ist. Geht es nach der neuen Kanzlerin Merkel, soll Deutschland in 10 Jahren zu den drei Spitzenländern, was Wirtschaftwachstum angeht, gehören. Wie sie das schaffen will, darüber verliert sie kein Wort. Wahrscheinlich weiß sie es nicht. Dabei richtet sich die neue Regierung nach alten Zielen wie z.B. Vollbeschäftigung und weiß aber, dass bedingt durch den technischen Fortschritt weniger Menschen für den nötigen Arbeitsprozess gebraucht werden. Es wäre ehrlicher von der Politik, sich mit neuen Realitäten abzufinden und für einen zweiten Arbeitsmarkt zu sorgen. Die Orientierung der Beschäftigung allein am Beschäftigungsverhalten der Industrie, führte zu den bekannten Problemen. Die neue Orientierung an Billiglohnkräften a la Hartz IV führt nicht zu neuer beruflicher Motivation, sondern zu mehr Desillusionierung. Viele Menschen engagieren sich heute ehrenamtlich im Sinne der regionalen Gemeinschaft. Dazu ist ein sehr interessanter Artikel in der neusten Ausgabe des Geo-Magazins erschienen: “Gemeinsinn - Die Verantwortung übernehmen”.
Wenn mit der Werbekampagne: “Du bist Deutschland” der Aufbruch zu einem neuen Verständnis von Gemeinschaft gemeint ist, wäre das zu begrüßen. Aber was soll der Begriff “Deutschland”? Brauchen wir nicht eher ein gemeinsames Europa? Wenn alle Bürger Deutschlands, auch die Industriebosse in diesem Land, ihre Verantwortung für das Gemeinwesen erkennen und benennen würden, dann wäre diese Intiative sehr unterstützenswert. Leider bleibt die Motivation der Initiatoren überwiegend im Dunkeln. Schade!